woher? wo? wohin?

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Bibeltext: Psalm 139,1-14

Impuls zu einer Zeichnung von Paul Klee. Sie findet sich z.B. unter diesem Link.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paul_Klee_~_woher%3F_wo%3F_wohin%3F_~_1940.jpg

Seht euch das Bild an. Es ist ein Bild von Paul Klee, von 1940. Das war sicher auch eine Zeit in der vieles Verschoben war, schlimmer als jetzt für viele damals. Aber das soll kein Wettbewerb sein.

Das Bild hat den Titel: „woher? wo? wohin?“

Die Gestalt sieht gehend aus. Sie ist in Bewegung, nicht nur von A nach B, sondern sie scheint auch „in sich selbst“ in Bewegung zu sein. Ihre Konturen haben sich verschoben, sie wirkt fast ein bisschen entstellt. Sie scheint sich grade zu verändern. Sich neu zu ordnen. Vielleicht wird sie dann wieder glatt und rund sein, aber wahrscheinlich behält sie viele Ecken und Kanten.

Bei diesen drei Fragen, die das Bild stellt, geht es vielleicht nicht nur um einen Weg oder ein Dasein, es geht auch um die Zeit. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Versuche solche Fragen zu beantworten. Was war? Was ist jetzt? Was wird in Zukunft sein? Woher kommen wir? Wo befinden wir uns? Wohin gehen wir?  Diese Fragen gab es immer schon. Aber besonders jetzt, in dieser Situation.

Das Bild passt in unsere Zeit.

Die Gestalt ist verschoben.

Auch wir leben in verschobenen Zeiten.

Wie steht es also um diese drei Fragen? Sie sind so simpel wie schwierig – und eine Antwort ist höchstens ein Versuch. Vielleicht ist ein Antwortversuch auch ganz falsch und man kann sowieso nur Beschreiben und Schauen und dann Nachspüren, wie es uns damit geht, welche Gedanken das auslöst, was das „mit einem macht“. So wie immer bei der Kunst.

Woher?

Aus einer Welt und Zeit in der immer mehr gehen muss, immer schneller. Die Wirtschaftsglobalisierung ist das meistschlagende Argument. Menschen und Natur werden ausgebeutet, abgestellt, übergangen. Ein Urteil über diese Art des Wirtschaftens muss vernichtend ausfallen. Dabei ist es diese Art zu Wirtschaftens selbst schon: vernichtend.

Aber wir kommen auch aus einer Zeit und Welt, die gewohnt für uns war. Die Schön war. Manchmal sogar Selbstbestimmt. Wir konnten unser Leben gestalten, jedenfalls zu einem Teil. Manche mehr als jetzt, andere weniger. Wir kommen aus einer Zeit, der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Wir kamen aus einer Zeit voller Schönheit und Stress, voller Geschwindigkeit, voller Fülle und Freude und Terminen und Unbeschwertheit und Sorgen und Endlosigkeiten.

Woher kamst du?

Wo?

Wo sind wir jetzt, das ist sonst sehr klar, aber vieles kommt uns gerade vielleicht etwas surreal und komisch vor. So eben, wie diese Gestalt. Mir geht es so, dass ich mindestens zwei Herzen in mir schlagen höre, dass sich meine Sehnsucht in verschiedene Richtungen bewegt. Vielleicht könnten die verschiedenen Farben der Figur für diese unterschiedlichen und teilweise gegensätzlichen Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken, Sehnsüchte stehen.

Manches was mal wichtig war, ist jetzt egal, anderes was selbstverständlich war, wird schmerzlich vermisst. Ja und dann ist diese Gestalt eine Einzelne. Ist da ein Mitmensch, ist da Gott?

Der Alltag hat sich verschoben. Das Leben auch. Es gibt neue Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Gegebenheiten.

Wo bist du?

Wohin?

Die alles entscheidende Frage ist wohl: Wohin richten wir unser Wo jetzt aus? Wohin werden wir uns wenden? Wohin gehen?

Sind wir auf „dem“ Weg zurück zur Normalität?  Welche neuen Wege werden wir gehen? Den der Solidarität zum Beispiel? Das wäre schön!

Corona soll nicht für immer unser Leben bestimmen und die Gedanken füllen. Es gibt noch so viel mehr. Wir können neu überlegen, während wir uns neu ordnen: Was soll unser Leben und Dasein bestimmen?

Wir haben jetzt die Möglichkeit, das Leben neu uns gut zu gestalten. Prioritäten richtig zu setzen, Zeit zu nutzen. Wir alle müssen uns daran beteiligen!

Wohin willst du?

Zum Geleit auf den Weg und in die Zeit:

Ist es nicht spannend, dass wir grade eigentlich genauso viel über die Zukunft wissen, wie sonst auch schon immer? Nämlich nichts Genaues?

Nur wird jetzt die Zukunft weniger berechenbar. Wir können nicht mehr damit rechnen, dass alles seinen gewohnten Gang geht, oder dass alles „wie immer“ ist. Was in vier Wochen oder gar einem halben Jahr sein wird, das können wir grade nur vermuten.

Es gibt eine Erfahrung, die wir jetzt besonders brauchen, sie uns vielleicht auch wünschen: dass wir nicht allein und hilflos sind.

Ich würde es so sagen:

Dass Gott da, wohin es geht, schon auf uns wartet. Dass er da ist und mitgeht. Jeden unserer Schritte. Das ist die Verheißung die in Psalm 139 beschrieben wird. Das ist ein Tröstlicher und Motivierender Gedanke, besonders für die, die sich so verschoben fühlen, wie die Zeichnung von Paul Klee.

Der 139. Psalm beantwortet die drei Fragen dieses Bildes von Paul Klee übrigens auch:

Woher? Von Gott her, kommen wir und sind wir. Er hat jede*n Einzelne*n und die Welt geschaffen. Er hat uns wunderbar gemacht. Wunderbar ist alles was Gott macht und Gott war immer schon da.

Wo? Gott ist da, ist dabei, er ist gegenwärtig an jedem Ort, an dem ein Mensch sein kann. Egal wie gesund oder krank, wie verzweifelt oder froh über die Lage. Selbst wenn wir Gott nicht spüren oder uns verlassen fühlen: Gott ist da. Überall.

Wohin? Wohin der Weg und die Zeit auch führt, Gott wird da sein. In jeder Zukunft und an allen Orten bleibt Gott bei einem Menschen und begleitet ihn. Denn Gott gibt uns Zukunft und schenkt und Gegenwart und Geschichte: kurz: Gott läuft mit offenen Armen auf uns zu.  

Egal wohin wir gehen und wie wir die neue Zeit gestalten, was auch in Zukunft passiert, Gott ist und bleibt bei uns. Vielleicht täte es dieser Gestalt auf dem Bild gut, Psalm 139 zu beten, in all der Veränderung und der in allem Neuen. Vielleicht tut es uns auch gut.

Amen.

P.S. ich lade dazu ein, sich eine Karte (und etwas Zeit) zu nehmen und die eigenen Beobachtungen und Gefühle zu woher, wo, wohin darauf festzuhalten. Was willst du beibehalten, was hat diese Gegenwart dir gezeigt, für die Zukunft? Was hatte die letzte Zeit an Schönem für dich? Was ist dir (noch) wichtiger geworden? Woher? Wo? Wohin? Halte deine Gedanken fest! Leg sie vor Gott aus. Viel Segen dafür, dabei, daher wünsche ich Dir!

Pastorin Almuth Zipf

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