Alle Beiträge von Almuth Zipf

Praytime 20

von Katja Mönch

Meine Identität in Gott

Seit einiger Zeit lese ich zusammen mit zwei Freundinnen das Buch: „Die Kunst sich selbst zu führen“ von Thomas Härry.

In einem Kapitel geht es um die eigene Identität und hier werden die 7 Bausteine vorgestellt:

  • Du bist gewollt                                                                                         Freitag
    „So spricht der Herr, dein Schöpfer…, der dich gebildet hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir.“ Jes 43,1
    Ich bin von Gott gewollt und wunder geschaffen.!
  • Du bist gekrönt                                                                                                       Samstag
    „ Du hast ihn (den Menschen) wenig geringer gemacht als Gott, mit Ehre und Hoheit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher gesetzt über Werke deiner Hände, alles hast du ihm unter die Füße gelegt.“ Psalm 8,6-7 Ich bin mit Ehre ausgestattet und mit Hoheit gekrönt!
  • Du bist angenommen                                                                             Sonntag „So spricht der Herr, dein Schöpfer…, der dich gebildet hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir.“ Jes 43,1 Ich bin unwiderruflich angenommen bei Gott
  • Du bist versorgt                                                                                        Montag
    „Der Herr ist mein Hirte, ich werde nicht zu kurz kommen. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zu frischem Wasser. Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf dem rechten Weg, um seines Namens willen.“ Psalm 23,1-3 (Übersetzung nach Thomas Härry)
    Ich werde von Gott versorgt und geführt!
  • Du bist geliebt                                                                                           Dienstag „Der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein.“ (Zef. 3,17 LUT)
    Ich werde von Gott geliebt und umjubelt!
  • Du bist festgehalten                                                                                Mittwoch „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir! Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ja, ich stehe dir bei! Ja ich halte dich mit der rechten Hand meiner Gerechtigkeit!“ (Jes. 41,10)
    Ich bin und bleibe von Gott getragen.
  • Du bist gesegnet                                                                                      Donnerstag „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.“ (Eph.1,3 LUT)
    Ich wurde und bin überreich gesegnet!

Welche dieser Zusagen spricht Dich besonders an? Spüre hier einmal nach und bringe dies vor Gott im Gebet. Lerne den entsprechenden Bibelvers dazu auswendig.

Nehme Dir die nächsten 7 Tage jeden Tag eine der oben gennannten Zusagen vor und lese diese laut zusammen mit dem Bibelvers!

Segenslied

https://www.youtube.com/watch?v=w2pjC6s6O_c

Der Herr segne und behüte Dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr wendet Dir sein Angesicht zu schenke Dir sein Heil.

Praytime 19

von Stefan Harrer

I’ll be back…

Meine Firma plant dieser Tage alle Gestrandeten im Homeoffice wieder zurück ins Firmengebäude zu holen. Dazu muss jeder nochmals eine Arbeitsschutzunterweisung erhalten, die neben all den Regeln für entfernte Begegnung in Corona-Zeiten auch nochmal die Basics für Notfälle und Rettungswege enthält. Ich halte kurz inne.

Wer hat uns eigentlich je eine Unterweisung über alle „Life Matters“ gegeben, wie Leben geht? Schalte ich die Nachrichten ein, die oft von den allervordersten Menschen dieses Planeten handeln, höre ich meist nur über „Selbstsucht, Geldgier, Prahlerei, Einbildung, Beleidigung, Ungehorsam, Undankbarkeit, Lieblosigkeit, Unversöhnlichkeit, Verleumdung, Unbeherrschtheit, Gewalttätigkeit, Hass, Untreue, Unzuverlässigkeit, Überheblichkeit und so resümiert Paulus in 2. Tim 3,4 : „ sie kümmern sich nicht um das, was Gott Freude macht, sondern suchen nur, was ihre eigene Lust vermehrt.“ Eine überdrehte Welt, und wir wissen, wenn wir eine Schraube einmal überdreht haben, funktioniert sie nicht mehr. Dann hält nichts mehr. Von hier ist also keine Hilfe zu erwarten. Ich schalte wieder aus, schlage die Bibel auf uns beginne zu beten…

  • Wir danken dafür, dass Gott für uns gestorben und auferstanden ist, um uns zu retten.
  • Wir loben ihn, dass er so groß ist und dass er in seiner Größe uns doch so nahe kommt – ganz besonders in diesen Zeiten.
  • Wir bitte um Glauben, der uns dieser Tage durchträgt, als Grundlage für ein Leben, das nicht mit dem Tod endet.

Mitnehmsel: Singen wir mit Manfred Siebald:
„Von deinem Worten können wir leben, durch deine Worte weitersehn. Mit deinen Worten können wir sterben und auf dein Wort hin aufersteh’n.“

Praytime 18

von Monika Kümmerer

Auch heute Abend sind wir wieder eingeladen miteinander zu beten.

Wer das möchte, kann zu Beginn dieser Zeit in der Gegenwart Gottes wieder als

Zeichen seiner Nähe eine Kerze anzünden…,

und dann zunächst ein paar Augenblicke in Ruhe aus- und einatmen….;

wir befinden uns nach dem Kirchenjahr gerade in der Pfingstzeit,

dem Fest, an dem wir den Geist Gottes in der Kirche, in unserem Leben

und in dieser Welt feiern.

Wo haben wir ihn in den letzten Tagen in besonderer Weise erlebt, gespürt?

Wo haben wir ihn schmerzlich vermisst?

In einer Sequenz von Stephen Langton (1150 – 1228) finden sich viele Anregungen

ins Gebet zu kommen, in Bitte, Fürbitte, in der Anbetung.

Ich lade euch ein, euch nun von diesem Gebet und dem Geist Gottes in dieser Gebetszeit leiten zu lassen:

Ref: O komm herab, du heiliger Geist, der finstre Nacht zerreißt,

strahle Licht in diese Welt, komm, der jedes Herz erhellt.

  1. Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.
  2. Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not,
  3. in der Unrast schenkst du Ruh´, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.
  4. Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring´bis auf der Seele Grund.
  5. Ohne dein lebendig Weh`n, kann im Menschen nicht´s besteh`n, kann nicht´s heil sein noch gesund.
  6. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält.
  7. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.
  8. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.
  9. Lass es in der Zeit besteh’n, deines Heils Vollendung seh’n und der Freuden Ewigkeit.

Abschlußgebet:

Abend ward, bald kommt die Nacht, schlafen geht die Welt,

denn sie weiß, es ist die Wacht, über ihr bestellt.

Einer wacht und trägt allein, unsere Müh und Plag,

er läßt keinen einsam sein,weder Nacht noch Tag.

Jesus Christ, mein Hort und Halt, dein gedenk ich nun,

tu mit Bitten dir Gewalt, bleib bei meinem Ruhn.

Wenn dein Aug ob meinem wacht, wenn dein Trost mir frommt,

weiß ich dass auf gute Nacht, guten Morgen kommt!

Amen.

Praytime 17

Die Stille

Sie ist manchmal schwer auszuhalten, die Stille. Zu bedrohlich ist sie uns. Zu reduziert sind wir, auf uns selbst, auf das einfache Dasein. Ohne etwas zu tun, zu sagen. Ist es genug für uns, einfach zu sein?

Die Stille ist manchmal schwer zu finden. Zu schnell wird sie durchbrochen: Vom Smartphone-Piepen, den Verkehrsgeräuschen, den Nachbarn, vom Gedankenkarussell. Zu viele Stimmen, im Radio, im Fernsehen, in den Straßen, in uns.

Was hörst du in der Stille? Wenn du selbst keine Geräusche machst?

Ich höre Vogelstimmen, Autos, Flugzeuge und Rasenmäher. Den Wind.

Still sein heißt nicht nur nichts sagen oder tun. Stille heißt auch: der Stille lauschen.

Die Stille ist nicht nur ein Geräusch, sie ist auch ein Zustand. Stille im Inneren, in Gedanken und Bäuchen.

In der Stille können wir Gottes Stimme lauschen. Wir müssen keine großen Worte machen, nicht alles aufzählen aus unserem Geräusch-vollen Alltag.

Die Stille ist eine andere Art der Fülle, denn sie kann uns erfüllen. Mit neuer Kraft, einem Guten Gedanken, einem Wort von Gott. Und doch ist das, was die Stille uns zu sagen hat, leicht zu überhören.

Die Stille ist ein Geschenk. Das Geschenk kann man langsam auspacken. Und viel Zeit mit ihm verbringen. Ein paar Minuten, oder auch ein paar mehr. Ohne Eile und nicht zu lange. Versuch es einfach. Ein paar Minuten, oder die ganze Viertelstunde.

Die heutige Praytime kann ein Versuch sein, die Stille einzuladen, auszuhalten, an ihr festzuhalten. Gib dich ihr hin, heiße die Ablenkung nicht willkommen, sondern sei ganz still. Schließe die Augen, vielleicht hilft das, und lausche der Stille, lausche Gott. Ohne viele Worte. Nur mit einem „Hier bin ich“ am Anfang und mit „Amen“ am Schluss.

Viel Segen dazu und davon!

Pastorin Almuth Zipf

woher? wo? wohin?

hier geht es zum Podcast… https://emk-esslingen.de/podcast/

Bibeltext: Psalm 139,1-14

Impuls zu einer Zeichnung von Paul Klee. Sie findet sich z.B. unter diesem Link.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paul_Klee_~_woher%3F_wo%3F_wohin%3F_~_1940.jpg

Seht euch das Bild an. Es ist ein Bild von Paul Klee, von 1940. Das war sicher auch eine Zeit in der vieles Verschoben war, schlimmer als jetzt für viele damals. Aber das soll kein Wettbewerb sein.

Das Bild hat den Titel: „woher? wo? wohin?“

Die Gestalt sieht gehend aus. Sie ist in Bewegung, nicht nur von A nach B, sondern sie scheint auch „in sich selbst“ in Bewegung zu sein. Ihre Konturen haben sich verschoben, sie wirkt fast ein bisschen entstellt. Sie scheint sich grade zu verändern. Sich neu zu ordnen. Vielleicht wird sie dann wieder glatt und rund sein, aber wahrscheinlich behält sie viele Ecken und Kanten.

Bei diesen drei Fragen, die das Bild stellt, geht es vielleicht nicht nur um einen Weg oder ein Dasein, es geht auch um die Zeit. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Versuche solche Fragen zu beantworten. Was war? Was ist jetzt? Was wird in Zukunft sein? Woher kommen wir? Wo befinden wir uns? Wohin gehen wir?  Diese Fragen gab es immer schon. Aber besonders jetzt, in dieser Situation.

Das Bild passt in unsere Zeit.

Die Gestalt ist verschoben.

Auch wir leben in verschobenen Zeiten.

Wie steht es also um diese drei Fragen? Sie sind so simpel wie schwierig – und eine Antwort ist höchstens ein Versuch. Vielleicht ist ein Antwortversuch auch ganz falsch und man kann sowieso nur Beschreiben und Schauen und dann Nachspüren, wie es uns damit geht, welche Gedanken das auslöst, was das „mit einem macht“. So wie immer bei der Kunst.

Woher?

Aus einer Welt und Zeit in der immer mehr gehen muss, immer schneller. Die Wirtschaftsglobalisierung ist das meistschlagende Argument. Menschen und Natur werden ausgebeutet, abgestellt, übergangen. Ein Urteil über diese Art des Wirtschaftens muss vernichtend ausfallen. Dabei ist es diese Art zu Wirtschaftens selbst schon: vernichtend.

Aber wir kommen auch aus einer Zeit und Welt, die gewohnt für uns war. Die Schön war. Manchmal sogar Selbstbestimmt. Wir konnten unser Leben gestalten, jedenfalls zu einem Teil. Manche mehr als jetzt, andere weniger. Wir kommen aus einer Zeit, der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Wir kamen aus einer Zeit voller Schönheit und Stress, voller Geschwindigkeit, voller Fülle und Freude und Terminen und Unbeschwertheit und Sorgen und Endlosigkeiten.

Woher kamst du?

Wo?

Wo sind wir jetzt, das ist sonst sehr klar, aber vieles kommt uns gerade vielleicht etwas surreal und komisch vor. So eben, wie diese Gestalt. Mir geht es so, dass ich mindestens zwei Herzen in mir schlagen höre, dass sich meine Sehnsucht in verschiedene Richtungen bewegt. Vielleicht könnten die verschiedenen Farben der Figur für diese unterschiedlichen und teilweise gegensätzlichen Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken, Sehnsüchte stehen.

Manches was mal wichtig war, ist jetzt egal, anderes was selbstverständlich war, wird schmerzlich vermisst. Ja und dann ist diese Gestalt eine Einzelne. Ist da ein Mitmensch, ist da Gott?

Der Alltag hat sich verschoben. Das Leben auch. Es gibt neue Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Gegebenheiten.

Wo bist du?

Wohin?

Die alles entscheidende Frage ist wohl: Wohin richten wir unser Wo jetzt aus? Wohin werden wir uns wenden? Wohin gehen?

Sind wir auf „dem“ Weg zurück zur Normalität?  Welche neuen Wege werden wir gehen? Den der Solidarität zum Beispiel? Das wäre schön!

Corona soll nicht für immer unser Leben bestimmen und die Gedanken füllen. Es gibt noch so viel mehr. Wir können neu überlegen, während wir uns neu ordnen: Was soll unser Leben und Dasein bestimmen?

Wir haben jetzt die Möglichkeit, das Leben neu uns gut zu gestalten. Prioritäten richtig zu setzen, Zeit zu nutzen. Wir alle müssen uns daran beteiligen!

Wohin willst du?

Zum Geleit auf den Weg und in die Zeit:

Ist es nicht spannend, dass wir grade eigentlich genauso viel über die Zukunft wissen, wie sonst auch schon immer? Nämlich nichts Genaues?

Nur wird jetzt die Zukunft weniger berechenbar. Wir können nicht mehr damit rechnen, dass alles seinen gewohnten Gang geht, oder dass alles „wie immer“ ist. Was in vier Wochen oder gar einem halben Jahr sein wird, das können wir grade nur vermuten.

Es gibt eine Erfahrung, die wir jetzt besonders brauchen, sie uns vielleicht auch wünschen: dass wir nicht allein und hilflos sind.

Ich würde es so sagen:

Dass Gott da, wohin es geht, schon auf uns wartet. Dass er da ist und mitgeht. Jeden unserer Schritte. Das ist die Verheißung die in Psalm 139 beschrieben wird. Das ist ein Tröstlicher und Motivierender Gedanke, besonders für die, die sich so verschoben fühlen, wie die Zeichnung von Paul Klee.

Der 139. Psalm beantwortet die drei Fragen dieses Bildes von Paul Klee übrigens auch:

Woher? Von Gott her, kommen wir und sind wir. Er hat jede*n Einzelne*n und die Welt geschaffen. Er hat uns wunderbar gemacht. Wunderbar ist alles was Gott macht und Gott war immer schon da.

Wo? Gott ist da, ist dabei, er ist gegenwärtig an jedem Ort, an dem ein Mensch sein kann. Egal wie gesund oder krank, wie verzweifelt oder froh über die Lage. Selbst wenn wir Gott nicht spüren oder uns verlassen fühlen: Gott ist da. Überall.

Wohin? Wohin der Weg und die Zeit auch führt, Gott wird da sein. In jeder Zukunft und an allen Orten bleibt Gott bei einem Menschen und begleitet ihn. Denn Gott gibt uns Zukunft und schenkt und Gegenwart und Geschichte: kurz: Gott läuft mit offenen Armen auf uns zu.  

Egal wohin wir gehen und wie wir die neue Zeit gestalten, was auch in Zukunft passiert, Gott ist und bleibt bei uns. Vielleicht täte es dieser Gestalt auf dem Bild gut, Psalm 139 zu beten, in all der Veränderung und der in allem Neuen. Vielleicht tut es uns auch gut.

Amen.

P.S. ich lade dazu ein, sich eine Karte (und etwas Zeit) zu nehmen und die eigenen Beobachtungen und Gefühle zu woher, wo, wohin darauf festzuhalten. Was willst du beibehalten, was hat diese Gegenwart dir gezeigt, für die Zukunft? Was hatte die letzte Zeit an Schönem für dich? Was ist dir (noch) wichtiger geworden? Woher? Wo? Wohin? Halte deine Gedanken fest! Leg sie vor Gott aus. Viel Segen dafür, dabei, daher wünsche ich Dir!

Pastorin Almuth Zipf

Praytime 12

von Almuth Zipf

Eine neue Woche hat begonnen. Und viele Menschen hoffen, dass sich diese Woche wieder etwas mehr nach der Normalität von “davor” anfühlen wird.

Aber weil die Corona-Regelungen gelockert werden, gibt es auch viele Bedenken und Ängste. Und wir alle haben eine noch größere Verantwortung füreinander.

Deswegen bitten wir Gott um Umsicht und Geduld für unseren Alltag. Besonders geeignet scheinen mir dazu Worte von Antoine de Saint-Exupéry. Er formuliert in einem Gebet vieles von dem, was auch wir in unserer Zeit erbitten können. Es ist gut, dass es Gebete gibt, in die wir einstimmen können.

Ich lade dazu ein, zwischen den Absätzen inne zu halten und dem Gebet nachzuspüren. Welches Beispiel für diese Bitte findet sich in deinem Leben aktuell? Welche Gedanken stößt diese Bitte bei dir an? Auch diese Anliegen dürfen -laut oder leise- vor Gott gebracht werden.

“Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.”

in der Stille dem nachspüren

“Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung, schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist. Ich bitte um Kraft für Ordnung und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte, und wenigstens hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss.”

in der Stille dem nachspüren

“Laß mich erkennen, daß Träume alleine nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit, noch über die Zukunft. Hilf mir, das nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.”

in der Stille dem nachspüren

“Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müßte im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, daß Schwierigkeiten, Niederlagen, Mißerfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.”

in der Stille dem nachspüren

“Erinnere mich daran, daß das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.”

in der Stille dem nachspüren

“Ich weiß, daß sich viele Probleme dadurch lösen lassen, daß man nichts tut. Gib, daß ich warten kann.”

in der Stille dem nachspüren

“Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, daß ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin. Verleih mir die nötige Phantasie im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben. Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die unten sind.”

in der Stille dem nachspüren

“Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!”

Amen.

Antoine de Saint-Exupéry, 1900 – 1944

Freut Euch!

Hier geht es zum Podcast…

Impuls zu Joh 16, 16-23 am Sonntag den 3.5.20 von Almuth Zipf

„Jubilate“

Liebe Brüder und Schwestern,

Wir warten… noch eine Woche…, noch einen Tag…, noch bis morgen früh.

Wie oft habe ich das in den vergangenen Wochen gesagt oder gedacht. Und wieviel mehr noch erlebt. Ihr vermutlich auch.

Nur eine kleine Weile noch:

-Warten wir darauf, dass es weitergeht. -Warten wir auf einen Impfstoff, -warten wir darauf, dass uns endlich jemand all unsere Fragen beantwortet.

Eine kleine Weile kann sich sehr lange anfühlen.

Wenn man wartet, kommt man leicht ins Grübeln. Wie lange dauert das noch? Man muss doch irgendwas tun können. Aber was?

Ungeduld macht sich breit – Unduldsamkeit.

Es ist eigentlich zu viel, das alles. Oder zu wenig.

„Gleich sind wir da“, sagt jemand auf unsere Fragen, oder „es geht gleich los.“

So richtig glauben wir das nicht. Wir wissen ja alle gleichwenig, was losgehen soll, oder wo das Ziel ist.

Ach, wenn alle doch weniger in Rätseln sprechen würden.

Ach, wenn nur jemand all die Fragen und alles, was wir nicht verstehen beantworten könnte.

Auch Jesus Christus spricht manchmal in Rätseln –  und beantwortet längst nicht alle Fragen, die wir haben. Heute nicht und damals, bei seinen 12 Jüngern auch nicht.

 Dazu steht in Joh 16, 16-23a folgende Geschichte

Abschied und Wiedersehen

16 Nur eine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, und wiederum eine Weile, und ihr werdet mich sehen. 17 Da sagten einige seiner Jünger zueinander: Was meint er, wenn er zu uns sagt: Nur eine Weile, und ihr seht mich nicht, und wiederum eine Weile, und ihr werdet mich sehen? Und: Ich gehe zum Vater? 18 Sie sagten also: Was meint er, wenn er sagt: Nur eine Weile? Wir wissen nicht, wovon er redet.

19 Jesus merkte, dass sie ihn fragen wollten, und sagte zu ihnen: Darüber zerbrecht ihr euch den Kopf, dass ich gesagt habe: Nur eine Weile, und ihr seht mich nicht, und wiederum eine Weile, und ihr werdet mich sehen? 20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, die Welt aber wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. 21 Wenn eine Frau niederkommt, ist sie traurig, weil ihre Stunde gekommen ist. Wenn sie das Kind aber geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Bedrängnis vor Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 So seid auch ihr jetzt traurig; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und die Freude, die ihr dann habt, nimmt euch niemand. 23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen.

An jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen, sagt Jesus. Ich hoffe, er sagt es nicht, weil ihm die Fragen lästig sind, sondern weil er weiß, dass es noch etwas Anderes geben muss als Fragen: Freude, die einem niemand nimmt. Das wiedersehen wird so großartig, dass mir meine vielen Fragen irgendwie nicht einfallen. Etwas so wie bei der Geschichte vom Verlorenen Sohn im Lukasevangelium. Beim Wiedersehen zwischen Vater und Sohn wird nicht gefragt, vor lauter Freude.

Kennt ist dieses Gedankenexperiment: „Stell dir vor du triffst Gott auf einen Kaffee (oder Tee, oder ein Glas Bier, oder was auch immer) und du kannst ihn fragen, was du willst, was wäre dann deine Frage?“

Was wäre die Frage? Habt ihr eine?

Würdet ihr endlich gesagt bekommen, dass ihr mit etwas Bestimmtem recht habt, weil Gott die Frage so beantworten würde wie ihr? Wärt ihr endlich erleuchtet und der Sinn des Lebens wäre erklärt? Wüsstet ihr endlich, das, was ihr immer wissen wolltet.

Oder würde dieses Treffen nicht ganz anders verlaufen? Es wäre denke ich eher ein Wiedersehen voller Freude, die nicht getrübt werden kann. Dieses Treffen wäre so unglaublich, dass alle Fragen wie weggewischt sind, weil man eben nichts braucht, als nur diesen Moment in der Gegenwart. Weil man ganz und gar gegenwärtig sein will, und alles andere, alle Schmerzen und Fragen die es bis dahin gab, von der Freude überstahlt werden.

Das ist ein schönes Bild. Ein schönes Gedankenexperiment, besonders in einer Zeit des Verzichts auf gemeinde und Gemeinschaft.

Jesus malt uns dieses Bild: Keine noch so große Frage, keine noch so lange Quarantäne, nicht einmal der Tod wird uns diese Freude trüben können.

Kennt ihr so eine Freude? Oder auch nur den Ansatz solch einer Freude? Erinnert ihr euch, wie sie sich anfühlt, wann ihr sie gespürt habt?

Der heutige Sonntag ist überschrieben mit dem lateinischen Wort „Jubilate.“ Es ist uns gut geläufig, es klingt wie „Jubel“ und genau das ist auch gemeint: „Jubelt, freut euch!“

Was bringt uns in dieser Situation gerade Freude? Jesus sagt: das Wiedersehen mit ihm, dass wir ihn wiedererkennen, als den Auferstandenen, der uns das Leben in Fülle ermöglicht.

Es geht hier also um eine Freude jenseits der Umstände. Freude die ihren Grund in Gott hat, nicht in dem wie es läuft oder ist.

Im Moment leben wir in Zeiten, in denen uns die Freude vielleicht im Hals stecken bleibt, oder dass man meint, sie müsste einem im Hals steckenbleiben. In denen man sich kaum traut sich zu freuen, man ist maximal dankbar für die Gesundheit oder eine überstandene Krankheit, oder dafür, dass man noch genug zum Leben hat, sich keine Sorgen machen muss.

Vielleicht fällt uns Freude gerade schwer, weil wir gelernt haben, dass wir uns freuen, wenn etwas gut gelingt, oder wir etwas geschafft haben.

Jesus sagt aber zu uns: ihr müsst nichts schaffen. Ich habe alles gemacht und wenn euch das klar wird, dann werdet ihr euch freuen. Ihr seid eine neue Schöpfung, Gott schenkt euch das Leben.

Es ist wie bei einem wirklich passenden und guten Geschenk. Man freut sich einfach, und ist vielleicht überrascht. Man genießt dieses Geschenk und bedankt sich voller Freude.

So ein Geschenk bekommen wir von Gott. Auch heute. In ganz und gar un-perfekten Umständen.

Wir bekommen es, und natürlich löscht es die Fragen nicht aus und löst auch nicht die Fragen unserer Zeit. Daran müssen wir uns beteiligen. Aber das „freuden-Geschenk“ befähigt uns dazu, uns einzubringen und die Zeit des Wartens zu gestalten.

Freude kann man empfinden, auch ohne dass alle Fragen beantwortet sind, Freude gibt es trotz Zweifels. Freude von Gott dringt zu uns Menschen durch, sie durchdringt uns.

Jubilate, das heißt „freut Euch“ Es klingt vielleicht wie ein Befehl, und klar ist, dass das nicht funktionieren kann. Aber vielleicht ist es auch eine Erinnerung: Vergesst nicht, es gibt Grund zur Freude. Ostern, das ist Grund zur Freude. Es ist nämlich nicht so, dass die Freude erst dann aufkommen kann, wenn alle Fragen und Nöte beseitigt sind, oder alles endlich gut ist. Freude gibt es auch schon jetzt, in einer kleinen Weile. Nicht erst am Ende der Zeiten, nicht erst, wenn alles vorbei ist. Wir können uns jetzt schon freuen, weil wir von Gott das perfekte Geschenk für uns hat: neues Leben, Freude, die uns niemand nimmt. Und darauf müssen wir nicht mehr warten, denn wir habe es schon geschenkt bekommen.  

Amen.

Gebet:

In dir ist Freude, Jesus Christus.

Unser Leben ist mehr, als das, was wir sehen und haben, mehr als Wissen und Erfolg. Wir haben unser Leben durch dich neu geschenkt bekommen. Das erfüllt uns mit Freude ohnegleichen. Darüber können wir uns nur wundern und dir danken.

Wir bitten dich, hilf du uns dabei, diese Freude in unserem Leben zu entdecken, zuzulassen und aus ihr Kraft zu schöpfen. Hilf uns dabei, dass wir uns selbst und anderen diese Freude gönnen. Schenke uns, dass wir diese Freude erleben und mit ihr anderen Menschen und unserer Umwelt begegnen.

Amen.

Praytime 09

Der nachösterliche Fischzug des Petrus

Von Jochen Schweizer

Es ist frisch an diesem frühen Morgen. Der Nebel wabert über die Wasseroberfläche des See Genezaret. Diese Stille wird durch leise Ruderschläge und durch das Gespräch der Handvoll Männer im Fischerboot unterbrochen.

 „Nichts gefangen, so ein Mist. Los zurück zum Ufer“, murmelt Jakobus.

 „So wie damals”, ergänzt Andreas und zieht dabei enttäuscht das leere Netz ins Boot, „als uns vor drei Jahren unser Meister rief. Da sollten wir am hellichten Tage nochmal rausfahren  und die Netze auswerfen. Kurz darauf  waren unsere beiden Boote voll zappelnder Fische.“

 „Aber jetzt fehlt er – gekreuzigt und tot. “  Mutlos lässt Nathanael den Blick sinken. 

Erstaunt schaut ihn Johannes an: „Aber er ist doch…“

„auferstanden?“ „Er soll leben? Ich weiß nicht. Alles so unwirklich und kaum zu glauben”, entgegnet Thomas.

 „Glauben! Ja, das sollen wir. Glaubt ihr denn immer noch nicht? Was muss  denn noch geschehen. Jesus ist uns doch nach seinem Tod sogar mehrmals erschienen”, weist Johannes sie energisch zurecht. „Die Frauen…“

“Oh ja, Maria aus Magdala und die anderen Frauen. Sie gingen frühmorgens zum Grab. Dann machten sie uns verrückt. Magdalena behauptete, sie habe Jesus gesehen. Er habe sie mit ihrem Namen angesprochen. Und die anderen Frauen erzählten etwas von strahlenden  Engeln am offenen,  leeren Grab. Jesus soll leben behaupteten sie. Das leere Grab haben Johannes und ich tatsächlich gesehen, stimmt s Johannes?“

„Wohl wahr. Dann ist Jesus noch Zweien von uns  auf dem Weg nach Emmaus begegnet. Er hat sich einladen lassen und mit ihnen in ihrem Haus gegessen, und dabei das Brot gebrochen, so  wie damals bei unserem letzten gemeinsamen Essen”, ergänzt Johannes.  

„Thomas, dir ist doch Jesus ebenso begegnet. Du konntest seine Wundmale sehen. Du hättest sie sogar berühren können. Du hast doch in diesem Augenblick daran geglaubt, dass er lebt.“ 

„Ja, schon,“ erwidert Thomas.  „Trotzdem und wenn das alles doch nur Einbildung war?“

 „Petrus, du hast doch behauptet, dass auch dir der Herr begegnet sei. Du hättest  ihn gesehen…“, Natanael schaut ihn fragend an.

„Ja, wir alle haben ihn doch gesehen. Er stand mitten in unserem Raum, wo wir uns versteckt hatten. Dennoch – etwas fehlt. Ich brauch noch irgendetwas. –  Ich weiß aber nicht was”,  entgegnet Petrus nachdenklich.

„Kikeriki“. Petrus zuckt zusammen: „Oh dieser Gockel. Ich könnte ihm den Hals umdrehen“.

 „Wieso denn?“ will Jakobus wissen.

„Immer wenn ich ein Krähen höre, muss ich an diese schreckliche Nacht vor seinem Tod denken, als ich unseren Meister dreimal verleugnet habe, damals im Hof des Hohepriesters. Hab mich immer für so toll und stark gehalten. Ich habe ihm bei meinem Leben versprochen ihn bis zum Tod zu  verteidigen. Und Jesus hat anschließend alles vorher gesagt, was Schlimmes passieren wird.“

Andreas legt beruhigend die Hand auf seine Schulter. „Ja, Bruder. Das alles hast du uns schon ein paar Mal erzählt. Wir wissen noch, wie du in jener  Nacht völlig am Ende warst. Aber wir alle haben ihn davor im Garten Gezemaneh im Stich gelassen. Du hattest damals Todesangst…“

Verzweifelt vergräbt Petrus sein Gesicht in seinen Händen: „Wie könnte mir das unser Herr bloß verzeihen? Das kann nicht sein.“

Johannes schaut ans nahe Ufer: „Da drüben steht ja einer. Der beobachtet uns.“    

„Kinder, habt ihr nichts gefangen?“, ruft diese Gestalt den Männern im Boot zu.

„Nein, überhaupt nichts”,  erwidern sie. 

„Dann werft euer Netz auf der anderen Seite des Bootes aus“, bekommen sie zu hören.

Die Fischer blicken sich kurz an und folgen einfach dieser Aufforderung.  Wenig später ist ihr Netz voller zappelnder Fische.

Noch als die Männer ihren Fang ins Boot holen wollen, schaut sich Johannes diese Gestalt am Ufer genauer an und meint: „Moment mal. Petrus der da am Ufer steht – es ist der Herr!“

Johannes hat gerade  ausgesprochen, da wirft sich Petrus ins Wasser und schwimmt ans Ufer. Doch je mehr er sich der Gestalt nähert, desto zögerlicher werden seine Schwimmzüge.

Petrus überlegt: „Wenn das tatsächlich Jesus ist, dann bekomme ich gleich aber mächtig was zu hören. Wenn ich an Jesu Stelle wäre, und mein bester Freund hätte sich so etwas bei mir geleistet, ich hätte ihn…. “  

Nun sind alle am Ufer angekommen und sichern den Fang.  Anschließend setzen sie sich an das schon vorbereitete Feuer. Jeder von ihnen weiß, dass der Mann am Ufer, diese Gestalt  tatsächlich Jesus ist. Obwohl Petrus  sonst immer  einen Bärenhunger hat, bekommt er auf einmal von den gebratenen Fischen kaum einen Bissen runter. Petrus weicht dem ruhigen Blick Jesu immer wieder aus. Es kommt Petrus wie eine Ewigkeit vor.

Er fragt sich: „Wann legt er endlich los – wann schimpft er endlich? Ich habe das doch wirklich verdient. Wieso jagt er mich Versager nicht gleich davon?“

Doch die folgende Frage, die Jesus dem Petrus stellt, haut ihn fast um: „Petrus, hast du mich noch lieber, als die anderen hier?“

Trocken muss er schlucken. In aller Bescheidenheit antwortet er: „Herr du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich lieb habe.“

„Hüte meine Lämmer”, fordert ihn Jesus auf.

Wenig später stellt Jesus dieselbe Frage nochmal an Petrus. Der Fischer antwortet wie beim ersten Mal. “Weide meine Schafe”, fordert ihn Jesus wieder auf.

Als Jesus zum dritten Mal diese Frage stellt, wird Petrus traurig und meint: „Herr, du weißt alles. Du siehst doch, dass ich dich lieb habe.“

Und wieder Jesu Aufforderung: „Weide meine Schafe.“

Soweit der Bibeltext.

Petrus hat für sich begriffen: Jesus musste mir drei Mal diese Frage stellen, weil ich ihn drei Mal  verleugnet und somit versagt habe. Ich darf als Versager bei ihm immer wieder neu anfangen und neu beginnen.

In der Folgezeit freute sich Petrus über jeden krähenden Hahn, der ihn neben seinem damaligen Versagen auch stets an seinen Neuanfang, an seine neue Chance erinnerte. Höchstwahrscheinlich  gelang es Petrus nach diesem Fischzug immer mehr auch den anderen vergeben zu können – vielleicht sogar 7 mal 70 Mal.

Erinnern auch wir uns daran, wenn wir auf einem Kirchturm einen Wetterhahn sehen?  Wie stehst du zu Schuld und Versagen, zu Vergebung und Neu anfangen? Was bedeutet  für dich Ostern? Wie kannst du Ostern ganz persönlich für dich fassen?

Ostern steht für die zweite Chance. Es steht dafür, dass nicht alles vorbei ist, sondern dass es weitergeht, auch wenn es unmöglich scheint.

Wir beten:

– wir bringen Gott unsere Wünsche nach dem, was Weitergehen und wieder lebendig werden soll: wo erbitten oder erhoffen wir uns eine zweite Chance?

– wir bringen vor Gott, wo wir uns selbst als Versager*in fühlen. Wir vertrauen darauf, dass Gott Mitgefühl mit uns hat und uns vergibt, wo wir Schuld haben. Wir verlassen uns darauf, dass Jesus Christus jede*n bei sich aufnimmt und für jede*n von uns eine Aufgabe hat. Wir bitten darum, uns diese Aufgabe immer wieder zu zeigen.

– wir bringen vor Gott unsere Sehnsucht nach der Vergangenheit. Was vermissen wir? Wir bitten ihn darum, dass er unser Leben erfüllt: mit Neuem und Altem. Wir bitten Gott, dass unsere Sehnsucht gestillt wird.

-wir danken Gott für diesen Tag: was war gut? Was hat uns gefreut?

– wir bitten Gott für morgen: was legen wir in seine Hand? Was nehmen wir uns selbst vor?

-wir schließen unser Gebet mit dem Vater Unser ab.

Praytime am 20.4.

von Uwe Wild

Mt. 18, 33 “Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen?“

Ich bin beeindruckt von den vielfältigen Initiativen und Aktivitäten aus allen möglichen gesellschaftlichen Gruppen, die seit der Ankunft der Corona-Epidemie bei uns wie Pilze aus dem Boden geschossen sind: Nachbarschaftsinitiativen, die sich um die Versorgung von Risikogruppen kümmern; Restaurants, die Bedürftige mit Essen versorgen; Menschen, die Gesichtsschilde für medizinisches Personal bauen und die dann auch noch verschenken; Kulturschaffende, die im Internet Theaterstücke, Lesungen und Konzerte anbieten; Online-Gottesdienste und Andachten to go oder ökumenische Online-Gebetskreise.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich dieses Ausmaß an Solidarität und Interesse an der Bedürftigkeit der Nachbarn und daraus resultierendem Engagement so nicht erwartet hätte. Das freut mich sehr und gibt mir Hoffnung für unsere Zeit und die Gesellschaft, in der wir leben. Da ist mein Bild manchmal vielleicht zu negativ.

Aber wenn ich wahrnehme, dass sich zur Zeit gefühlt 80% der Nachrichten um die Pandemie drehen, dass alltäglich in unzähligen Talkshows und Radiosendungen dieses Thema von allen Seiten beleuchtet wird, frage ich mich manchmal, wo denn die ganzen „alten“ Konflikte unserer Welt geblieben sind?

Ja, es ist wichtig, dass wir uns Gedanken machen über diesen Virus, der alle Völker bedroht. Aber der Bürgerkrieg im Jemen steht inzwischen im 6. Jahr, die Konflikte im Sud-Sudan und anderswo machen keine Pause, Heuschrecken fressen Kenia kahl, in Syrien wird immer noch gekämpft und in vielen Ländern werden die Menschenrechte tagtäglich mit Füßen getreten, um nur ein paar Konflikte zu nennen.

Wenn wir Gott bitten um Beistand und Heilung und Befreiung von dieser Virus-Plage, wenn wir riesige Geldsummen aufbringen, um unsere Wirtschaft zu unterstützen und die Menschen, die davon abhängig sind, wenn wir uns danach sehnen, wieder aufzuerstehen aus der Quarantäne und der Beschränkung unseres Lebens und unserer Freiheit, dann lasst uns die Benachteiligten dieser Welt nicht vergessen. Wir lernen in dieser Situation, dass Solidarität mit den Benachteiligten gelebte Nächstenliebe ist. Das gilt auch international überall dort, wo Menschen benachteiligt und unterdrückt werden.

Wir beten:          Herr, richte unseren Blick über den Corona-Horizont hinaus.
                              Wir sehnen uns nach Normalität, freier Bewegung, offenen Begegnungen, Gemeinde
                              – zeig uns, wie wir uns dafür einsetzen können, dass diese Rechte auch Menschen in
                              anderen Ländern ausüben können
                              Danke für alles Engagement um uns herum, für die Solidarität und Unterstützung,
                              die wir erfahren. Lass uns das an die weitergeben, die unsere Hilfe brauchen.


Eine paar Möglichkeiten

https://www.emkweltmission.de/startseite.html

https://www.brot-fuer-die-welt.de/

https://www.misereor.de/

Impuls 19.4.2020

Hier geht es zum Podcast… https://emk-esslingen.de/emk-es094-impuls-blind-nach-emmaus/

An diesem Sonntag gibt es wieder einen Impuls zum lesen oder anhören. Ich wünsche allen Leser*innen und Hörer*innen einen schönen Sonntag und viel Zuversicht für diesen Tag und diese Zeit. Herzliche Grüße, Almuth Zipf

Liedvorschläge: Himmelweit Nr. 1 “Himmelweit”, Herr Bleibe bei uns (Taize) HW 26, Vertraut den neuen Wegen GB 387

Bibeltext: Lk 24, 13-35

Impuls

Ein Lied spielt in meinem Kopf, schon ungefähr seit ein paar Tagen.

Ich kenn es schon seit ein paar Jahren, das Lied einer Band, die sich ziemlich gut ausdrücken kann. Offenbar drückt das Lied auch für diese Situation etwas aus.

„von hier an blind“ heißt es.

>>>Link https://www.youtube.com/watch?v=xyNWUY-wH5g

„Zwischen zwei Fragen…“ und „zwischen zwei Tagen…“ singt Judith Holofernes von der Band „Wir sind Helden“. Und sie singt: „ich weiß nicht weiter, ich weiß nicht wo wir sind, ich weiß nicht weiter, von hier an blind, von hier an, blind von hier an.“

Ich empfinde die aktuelle Situation als eine Art Zwischenzeit. Ihr vielleicht auch? Es ist eine Zeit, zwischen den Fragen- Alte Fragen haben ausgedient und neue Fragen müssen grade gefunden werden. Und Antworten erst recht, falls es sie gibt. Es ist eine Zeit des Ausprobierens, aber vor allen des Eingestehens: „Ich weiß nicht weiter.“ Gewissermaßen sind wir blind.

Waren wir davor schon, aber vielleicht waren wir für andere Dinge blind, als jetzt.

Wer sich das Video ansehen konnte, hat bemerkt, dass es bei dem Lied ganz und gar nicht darum geht, dass jemand im Sessel sitzt und lamentiert, dass er*sie nicht wisse was zu tun sei. In diesem Lied geht es ums unterwegs sein, darum auf dem Weg zu sein, obwohl man den Eindruck hat, nichts zu sehen, nichts absehen zu können.

So geht es auch uns grade, jedenfalls manchen. Viele Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden. Wie verhält man sich, trägt man eine Schutzmaske, geht man wieder in die Stadt zum Einkaufen? Wann wird es wieder Gottesdienste geben. Viele fragen sich das gerade: „Wie geht es jetzt weiter?“

Es gibt eine Geschichte aus der Osterzeit, die um diese Zeit des Jahres, nach Ostern, oft und gerne gelesen wird. Normalerweise wird sie im Gottesdienst gelesen.

Es ist die Geschichte, von zwei Personen aus Jesu umkreis, die unterwegs sind, obwohl sie nicht wissen, wie es weitergeht. Sie laufen auf einer Straße, vielleicht gehen sie wieder nach Hause nachdem das Abendteuer mit Jesus für sie zu Ende zu sein scheint.

Sie steht in Lukas 24, 13-35

https://www.bibleserver.com/LUT.ZB.NLB/Lukas24%2C13

Sie gehen miteinander, vielleicht mit Abstand, und sie unterhalten sich über das eine große Thema, das es grade gibt: Jesu Tod und sein Verschwinden. Sie sind verunsichert, und wissen nicht mehr, wie es jetzt weitergehen soll. Können sie einfach so zurückkehren, in ihr altes Leben? Können sie die Zeit zurückdrehen? Wahrscheinlich ahnen sie: es wird nie mehr so sein, wie davor.

Und während sie sich noch fragen und zaudern, kommt ein Dritter zu ihnen, einer, der das alles wohl nicht mitbekommen hat, ein Fremder, einen den sie nicht kennen. Ihre Augen wurden gehalten steht im Text. Sie wurden zugehalten sie haben nicht gesehen wer da mit ihnen geht.

Sie haben sich vielleicht so gefühlt, wie wir im Moment, sie haben sich vielleicht so gefühlt, wie das Lied beschreibt: von hier an blind, es ist nicht zu sehen, was alles noch kommen wird. Was möglich ist.

Der Andere fragt sie aus, über das Erlebte und Geschehene. Sie schütten ihm ihr Herz aus, und dann erklärt er ihnen alles. Aber sie sehen noch nicht. Sie wissen noch nicht wie es weitergeht. Aber fasziniert sind sie und sie laden ihn ein. Und als er dann das tut, was sie von ihm kennen, wie sie ihn das letzte Mal in Gemeinschaft erlebt haben, da erkennen sie ihn endlich, denn ihre Augen werden aufgetan und sie sehen: Der Fremde ist uns so vertraut. Wir kennen uns, und wir kennen uns doch nicht. Aber wiedererkannt haben wir ihn endlich.

Das wird uns auch passieren, dass wir Dinge wiedererkennen, die danach anders sind als davor. Vielleicht werden wir alle anders sein, als davor, und trotzdem werden wir uns wiedererkennen.

Es passiert etwas sehr Interessantes in dieser Geschichte: Als die beiden Jesus sehen können, erkennen sie ihn nicht. Als sie ihn aber erkennen können, sehen sie ihn nicht mehr.

Es gibt nur diesen einen kurzen Moment, zwischen zweimal Blinzeln, in dem sie sehen und erkennen. Und dann bleibt nur noch das erkennen, es bleibt der Glaube.

Denn sie gehen dahin zurück, woher sie kamen, woher sie geflohen sind – jetzt glauben sie es, dass es kein Zurück gibt und dass die Welt auf immer eine andere sein wird. Sie haben es erkannt.

Ihr Glaube wir begleitet von einem Gefühl, dass sie jetzt erst benennen können, auch wenn sie es schon davor gespürt haben. Sie sagen zueinander: „brannte nicht unser Herz.“ Dieses Brennen im Herz habt ihr vielleicht auch schon einmal gespürt. Es fühlt sich sehr voll an. Erfüllt. Man kann es schwer beschreiben.

Was erzählt uns diese Geschichte über geöffnete Augen und brennende Herzen für heute?

Wer wird uns die Augen dafür öffnen, was jetzt gebraucht wird? Wer wird uns die Augen öffnen, damit wir die Fremden als unsere Mitmenschen erkennen? Wer wird uns die Augen für das ganz andere öffnen? Damit wir erkennen und glauben.

Was brennt uns auf der Seele, in dieser Zwischenzeit, im blinden Unterwegssein? Was brauchen wir? Was können wir geben? Wofür setzten wir uns ein, mit dem was wir haben. Wen bitten wir um das, was wir brauchen?

Wir werden nicht immer so blind unterwegs sein wie jetzt, aber wirklich wissen können, was kommt, werden wir trotzdem nicht. Wir werden uns in der anderen Welt und in der Zwischenzeit zurechtfinden. Wir haben einander. Wir sind zusammen unterwegs, auf neuen Wegen, in anderen Zeiten.

Aber wir sind nicht allein. Jesus hat sich zu uns gesellt und begleitet uns, ob wir ihn erkennen oder nicht. Er ist da. Er bleibt bei uns.

Amen.

Gebet:

Du Auferstandener, Christus,
unsichtbar in unserer Mitte.
Zu dir beten wir.

Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben,
wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben,
wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft,
in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft.
Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir
für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.
Vater Unser
Amen.